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Офис Елабужского государственного музея-заповедника
Восковая фигура Н.А.Дуровой в музее-усадьбе

ГлавнаяМузей-усадьба Н.А.ДуровойDie Teilnahme von Nadeschda Durowa in den Feldzügen

Nadeschda Durowa-Gedenkkomplex

Die Teilnahme von Nadeschda Durowa in den Feldzügen, 1807-1814

Лекция, прочитанная в Зальцбурге и Вене Составитель Ф.Х. Валитова, директор Музея-усадьбы Н.А. Дуровой

ru de

Einleitung

N.A. Durowa (1783-1866) — war die erste russische Frau, die als Offizier diente und später als talentierte Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts berühmt wurde. 10 Jahre verbrachte Sie auf den Schlachtfeldern, nahm zwei Mal an ausländischen Feldzügen und am Vaterländischen Krieg des Jahres 1812 teil. Außerdem diente sie als Ordonnanz beim Oberkommandierenden der Russischen Armee, Feldmarschall Kutusov. Für vollbrachte Heldentaten, ihre Tapferkeit und ihren Mut wurde sie mit dem höchsten militärischen Orden, dem Georgskreuz, ausgezeichnet.

Nach ihrem Militärdienst widmete sich N. Durowa der literarischen Tätigkeit. Sie war eine hochbegabte Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts, deren Schaffen von Klassikern der russischen Literatur hoch geschätzt wurde: von A.S. Puschkin, V.G. Belinskij, N.V. Gogol und V.A. Shukowskij.

Mehr als 30 Jahre des Lebens von Nadeschda Durowa sind mit Jelabuga verbunden. Unsere Stadt war für Nadeschda Durowa die sogenannte literarische Heimat — hier wurden die berühmten «Aufzeichnungen einer Kavalleristin» geschrieben. Hier fand sie ihre letzte Ruhe.

Das kleine Haus in der Moskowskaja-Strasse in Jelabuga wurde die letzte Zuflucht dieser legendären Frau. Im Jahre 1993 wurde in diesem Haus das einzige Museum in der Welt eröffnet, das dieser besonderen Frau gewidmet ist. In unserer Stadt wurde ein Nadeschda Durowa-Gedenkkomplex geschaffen, der heute zu den Sehenswürdigkeiten unserer Stadt gehört.


Kindheit

Nadeschda Durowa wurde am Ende des 18. Jahrhunderts geboren. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahm sie bereits an den Napoleonischen Feldzügen teil, unter einem männlichen Namen. Ein derart ungewöhnliches Frauenschicksal steht in Zusammenhang mit einer ebenso ungewöhnlichen Kindheit.

Ihr Vater, Andrej Wasiljewitsch Durow, stammte aus dem Erbadel des Gouvernements Wjatka und diente als Rittmeister in der Ukraine, im Regiment der leichten Kavallerie von Poltawa. Die Mutter, Anastasija Iwanowna Alexandrowitsch, war die Tochter reicher ukrainischer Gutsbesitzer. Sie träumte von der Geburt eines Sohnes und war sehr enttäuscht, als sie ein Mädchen zur Welt brachte. Es gelang ihr nicht, ihre Tochter liebzugewinnen. Bedingt durch die Situation im Regiment fiel dem Offiziersburschen des Vaters, Astachow, die Rolle des Erziehers zu. Astachow ging mit Nadeschda in den Pferdestall der Schwadron, setzte Nadja auf die Pferde und lehrte sie früh reiten. Ihr erstes Spielzeug waren Pistolen und Säbel. Unter den Klängen der Militärmusik schlief das Mädchen ein, unter diesen Klängen erwachte es. Dank einer solchen militärischen Erziehung wurde Nadeschda tapfer, flink und wuchs auf wie ein Junge.

1788 nahm ihr Vater, Andrej Durow, im Rang eines Majors seinen Abschied von der Armee. 1789 erhielt er das Amt des Stadthauptmanns in der Gouvernementsstadt Sarapul, in Zentralrussland. Dort lebte die ganze Familie auf einem Adelsgut. Die Mutter musste die Tochter selbst erziehen. Nadeschda war damals 5 Jahre alt. Die militärische Erziehung zeigte ihre Folgen: Nadja hatte eine große Liebe zu den Pferden, verbrachte die Zeit oft im Pferdestall, konnte gut auf Bäume klettern und beherrschte das Bogenschießen. Die Mutter wollte aber die Tochter umerziehen: sie verordnete ihr Handarbeiten, brachte ihr selbst Nähen und Stricken bei. Aber das Mädchen hatte keine Begabung für diese weiblichen Beschäftigungen. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter waren ziemlich kompliziert. In Nadeschdas Anwesenheit klagte ihre Mutter oft über die Schwierigkeiten des Frauenschicksals, malte das Los der Frau in düsteren Tönen, sprach von der Unzulänglichkeit und den Schwächen der Frauen. Allmählich faßte das Mädchen den Beschluß, dieses schwere Joch abzustreifen und sich vom weiblichen Geschlecht zu trennen. Dazu musste sie «männliche» Beschäftigungen erlernen: Schießen und Reiten. Trotz eines Verbot ihrer Mutter fuhr Nadja fort, heimlich in der Nacht ihre Fertigkeiten im Reiten zu entwickeln.

Andrej Wasiljewitsch liebte seine ältere Tochter sehr. Er förderte ihre jungenhaften Ambitionen. Wenn er einen Sohn hätte, so sagte er, dann hätte er auch eine Hoffnung und eine Stütze für sein Alter. Und schon seit ihrer Kindheit hatte sich Nadeschda entschieden, ihr Schicksal zu ändern. Der Vater engagierte sich in der Erziehung seiner Tochter, lehrte sie Lesen und Schreiben, die französische Sprache, und vermittelte ihr auch die Liebe zur Literatur.

Im Alter von 14 Jahren kam Nadja in die Ukraine auf das Gut Welikaja Krutscha im Gouvernement Poltawa. Auf diesem Gut, einem Besitz mütterlicherseits, verbrachte sie einige Jahre. Dort unternahmen ihre Großmutter und ihre Tanten alles, um Nadja Weiblichkeit und edle Charakterzüge zu vermitteln. Oft besuchte das Mädchen Bälle, die man in den Häusern der reichen Gutbesitzer gab. An Feiertagen gingen alle zum Gottesdienst in die Kirche. In dieser Zeit kam es zu ersten romantischen Verhältnissen. Aber auf die Forderung ihrer Mutter kehrte Nadja bald nach Hause nach Sarapul zurück.

1801, im Alter von 18 Jahren, wurde Nadeschda Durowa mit Wasilij Tschernow, Gerichtsbeisitzer und Beamter der 14-en Klasse, verheiratet. Und im Jahre 1803 wurde ihnen der Sohn Iwan geboren. Diese Fakten aus ihrem Leben hat N. Durowa nie geschildert und lange Zeit wußten ihre Biographen nichts über diese Seite Ihres Lebens. Aber im Archiv der Stadt Wjatka (heute Kirow) haben sich Dokumente erhalten — die Matrikel der Vosnesenskij Kathedrale (Himmelfahrtskirche) in Sarapul. Dort gibt es Aufzeichnungen über die Trauung von Durowa und W. Tschernow, und auch über die Taufe ihres Sohnes Iwan.

Doch war dem Familienleben der Tschernows kein Glück beschieden. Nadeschda kehrte mit ihrem Sohn ins Elternhaus zurück. Mit ihrem Naturell konnte sie sich nicht mit dem Joch einer Ehefrau, das in Russland ganz gewöhnlich war, abfinden. Ein solches Vorgehen war Anfang des 19. Jahrhunderts völlig unzulässig. Eine Frau durfte sich ihrem Schicksal nicht widersetzen. So forderte auch die Mutter ihre Tochter auf, zu ihrem Mann zurückzukehren. Nadja aber wählte einen anderen Weg. Sie beschloß zum Militär zu gehen.


Militärdienst

Die französische Armee unter dem Kommando von Napoleon Bonaparte, die bereits viele europäische Länder unterworfen hatte, näherte sich den Grenzen Russlands. Die russische Armee erhielt den Befehl, ihre Reihen zu stärken. Viele junge Menschen träumten davon, Napoleon zu schlagen. Und Nadeschda Durowa beschloß den Traum ihrer Kindheit zu verwirklichen und in die Reihen der Verteidiger des Vaterlands einzutreten. Doch Frauen wurden in die Armee nicht aufgenommen. Sie entschloss sich zu einem kühnen Schritt — sich für einen Mann auszugeben.

Am 17. September 1806, an ihrem Geburtstag, legte sie heimlich Männerkleidung an, schnitt ihre Zöpfe ab, ließ ihre Kleidung am Ufer der Kama zurück, und lief aus dem Elternhaus weg. Sie holte das Kosakenregiment ein, das durch die Stadt Sarapul gezogen war. Nadeschda gab sich als Sohn eines örtlichen Adeligen aus und schloß sich dem Regiment an. Mit diesem Regiment kam sie in die Stadt Grodno, wo die die regulären Truppen standen.

Im Jahre 1806 erlebte die Westgrenze Russlands rastlose Zeiten. Napoleon hatte fast ganz Europa eingenommen und führt mit einer Armee von einer halben Million Mann Krieg auf dem Gebiet von Preußen. Als Verbündeter Preußens besetzten die vordersten Truppenteile der russischen Armee Ende November Warschau. In Grodno sammelten sich Infanterie- und Kavallerieregimenter.

Nadeschda Durowa ließ sich in das Polnische Kavallerieregiment unter dem Namen Alexander Sokolow als «Genosse» («Towarisch») anwerben. «Genosse» bedeutete ein einfacher Kavellerist adeliger Herkunft. Die erste Formularliste des «Genossen» Sokolow hat sich in den Archiven erhalten, und sie vermittelt eine realistische Vorstellung von unserer Heldin. Der Militärdienst war nicht einfach. Täglicher Drill, den ganzen Tag zu Pferd, Fechten mit dem Säbel oder der Pike. Aber Nadeschda Durowa zeigte keinen Anflug von Schwäche, war beherrscht und tapfer. Niemand wusste, dass sie eine Frau war.

Zur ersten großen Schlacht kam es am 24. Mai 1807 bei Gutstadt.

Das war die erste Schlacht für Nadeschda Durowa, wo alles, was im friedlichen Leben angeeignet worden war, einer harten Probe ausgesetzt wurde. Und es hätte das letzte Gefecht für Nadeschda sein können. Genau in dieser Schlacht rettete sie einem verletzten russischen Offizier das Leben, bewies Heldenmut und Tapferkeit.

Nach erbitterten Kämpfen mit dem Feind am Ufer des Flusses Passarga am 25. und 26. Mai begann die russische Armee in der Nacht von 27. auf 28. Mai 1807 mit dem Rückzug zur Stadt Heilsberg. Die Franzosen verfolgten sie. Es kam zu heftigen Gefechten zwischen französischen und russischen Regimentern in der Nähe der Dörfer Wolfsdorf und Ankendorf.

Am 29. Mai 1807, um 10 Uhr begann die Schlacht bei Heilsberg. Die Kämpfe dauerten den ganzen Tag. Die russische Kavallerie hatte den Nahkampf mit der französischen Kavallerie aufgenommen und diese angehalten. Die russische Gardeartillerie, die am rechten Ufer des Flusses Alle, gegenüber der Mündung des Spujbachs, stand, brachte mir ihren Kartätschen die französischen Infanterie zum Stehen.

«Ach, der Mensch ist schrecklich in seiner Raserei! Dann sind alle Eigenschaften einer wilden Bestie in ihm vereint! Nein, das ist nicht Tapferkeit! Ich weiß nicht, wie ich diesen wilden, tierischen Wagemut nennen soll, doch er verdient es nicht, Furchtlosigkeit genannt zu werden!» — erinnerte sich Durowa an diesen Tag.

Napoleon kam nach Heilsberg mit Verstärkung für die französische Armee. Aber trotz der Bemühungen der Franzosen endete die Schlacht um Heilsberg mit einem Sieg der russischen Armee. Bei dieser Schlacht verloren die Russen fast 8 000 Menschen — Tote, Verwundete, Vermisste. Die napoleonischen Truppen hatten Verluste bis zu 12 000 Menschen. Viele Tote und Schwerverletzte befanden sich am Abend des 29. Mai am rechten Ufer des Flusses Alle.

«Es jammert einen, diese letzteren zu sehen, wie sie stöhnen und über dieses sogenannte Feld der Ehre kriechen… Das erhabene Gefühl der Ehre, das Heldentum, die Ergebenheit gegen den Herrscher, die heilige Pflicht vor dem Vaterland nötigen ihn, dem Tod furchtlos entgegenzusehen, Leiden tapfer zu ertragen und ruhig aus dem Leben zu scheiden…» — so überlegte Nadeschda Durowa, die während dieser Schlacht selbst nur knapp dem Tod entgangen war: die Leib-Schwadron geriet unter das Feuer der feindlichen Artillerie, und eine Granate schlug neben der Kavalleristin ein. Ihr Pferd Alcides rettete sich und Nadeschda das Leben gerettet, als es jäh zur Seite sprang und die Reiterin sich kaum im Sattel halten konnte. Der Tod war nahe, ging aber am «Genossen» Sokolow vorbei. Die große Feldschlacht bei Heilsberg gab ihr neue, für einen Soldaten nowendige Erfahrungen. Während sie beobachtete, wie die Kartätschen ganze Reihen von Angreifern niedermähten, verstand sie, wie leicht es war das Leben zu verlieren, weil das Glück im Krieg blind ist und nur der Zufall entscheidet. Wenn die Granatsplitter, die unter dem Bauch von Alcides explodiert waren, sie nicht getroffen hatten, so bedeutete das, es war ihr nicht bestimmt im Kampf zu fallen, sondern ein Ziel im Leben zu erreichen.

Am Morgen des 30. Mai 1807 stand die russische Armee Gewehr bei Fuß. Der Marsch der russischen Armee von Heilsberg nach Fridland, wo Benigsen den Franzosen eine Entscheidungsschlacht lieferen wollte, war schwierig. Die Truppen marschierten bei strömendem Regen ohne Rast. Das Polnische Kavellerieregiment, in dem «Genosse» Alexander Sokolow (Durowa) diente, war der Nachhut der Armee zugeteilt, die von General-Leutnant Peter Iwanowitsch Bagration kommandiert wurde.

Nüchtere, offizielle Aufzeichnungen können nicht die dramatische Situation widergeben, in der sich die russische Armee in Ostpreußen befand. Durowa mußte mitansehen, wie die Freude über die ersten Siege der Bitterkeit der Niederlage und der rettenden Flucht zur Memel wich.

Die Schlacht von Friedland fand am 2. Juni 1807 statt.

Durowa schreibt:

«Friedland. In dieser erbitterten und verlorenen Schlacht ist mehr als die Hälfte von unserem tapferen Regiment gefallen! Mehrmals sind wir zum Angriff vorgegangen, mehrmals haben wir den Feind in die Flucht gejagt und sind unsererseits kein einziges Mal in die Flucht gejagt worden! Wir sind mit Kartätschen überschüttet, von Kanonenkugeln zerschmettert worden, und das durchdringende Pfeifen der höllischen Gewehrkugeln hat mich ganz taub gemacht! Oh, ich kann sie nicht ausstehen! Eine Kanonenkugel ist etwas anderes! Zumindest heult sie so majestätisch, und es ist damit immer kurzer Prozess!»

Sie dachte, dass sie an diesem Tag in die wahre Hölle geraten sei, mit der sie die Erwachsenen seit der Kindheit erschreckt hatten. Das Bild der Hölle, das ihr von Ikonen bekannt war, wäre vor den Farben von Blut und Asche der Schlacht auf den Feldern Friedlands verblaßt. Ein Feuersturm tobte unaufhörlich im Gebiet zwischen den Flüssen, wo sich, wie in einer Falle, die russische Armee befand. Im Geschoßhagel schmolz die Armee förmlich dahin. Reiter- und Fußsoldaten bildeten eine bunte Menge, getrieben von der vergeblichen Hoffnung auf einen Ausweg aus der blutigen Gefangenschaft.

Bei Friedland verlor die russische Armee bis zu 15 000 Menschen – Verwundete, Vermißte, Gefallene, die französische Armee bis zu 14 000. Auch der Mut und die Tapferkeit der Durowa konnten daran nichts ändern. Der Krieg war hoffnungslos verloren.

Am 7. Juli 1807 wurde der Frieden von Tilsitt geschlossen. Russland, das alle Eroberungen Napoleons in Europa anerkannt hatte, erhielt eine Atempause, um seine Armee zu verstärken. Die Gefahr des Krieges blieb für Russland relevant.

Für ihren Mut während der Preußischen Kampagne wurde Nadeschda Durowa zur Auszeichnung vorgeschlagen und zum Unteroffizier befördert. Aber für die militärische Laufbahn brauchte man Dokumente, die die adelige Abkunft belegen konnten. Sie schrieb einen Brief an ihren Vater, berichtete über sich selbst, bot um seinen Segen für die Fortsetzung der militärischen Karriere. Als jedoch Andrej Wasiljewitsch Durow erfuhr, dass seine Tochter am Leben sei und bei der russischen Armee diente, schrieb er an dem Kaiser, meldete die Daten seiner Tochter und forderte sie nach Hause zurückzuschicken. So erfuhr Alexander I, dass unter den Männern eine Frau diente, und er ließ Sokolow nach Petersburg kommen, bewahrte aber sein Inkognito.

Am 31. Dezember 1807 fand das erste Treffen von Nadeschda Durowa mit dem Kaiser statt. Im Rapport des Generals der Infanterie, Graf Buckshövden, wird Sokolow als hervorragender Soldat beschrieben, der zur weiteren Karriere in der militärischen Laufbahn geeignet ist.

«Das ausgezeichnete Auftreten von Sokolow und die gewissenhafte Erfüllung seiner Pflichten seit seinem Dienstantritt brachten ihm die Zuneigung und die Aufmerksamkeit nicht nur aller Vorgesetzten, sondern auch der Kameraden ein. Der Regimentschef, Generalmajor Kachowski, lobte seinen Dienst, seine Gewandtheit und seinen Eifer, mit dem er immer alle Befehle in den Kämpfen mit den französischen Truppen ausgeführt hatte. Er bat nachdrücklich ihn im Regiment zu belassen, …und Sokolow selbst hatte den einzigen Wunsch, im Militärdienst zu bleiben».

Der General brauchte seine anerkennenden Worte über Sokolow nicht zu bereuen. Niemand von den Regimentskameraden wusste, dass Sokolow eine Frau war, und das bedeutete, dass sie den gleichen Dienst wie die andere Soldaten zu leisten hatte, ohne Vergünstigungen. Sie kam nicht nur mit einer Männerrolle zurecht, sondern erwarb sich auch die Achtung unter den Regimentskameraden.

Alexander I zeichnete Durowa mit dem höchsten militärischen Orden, dem silbernen Georgskreuz, aus. Auf ihre Bitte beim Militär bleiben zu dürfen, erlaubte ihr der Kaiser, im Dienst zu bleiben, gebot den Namen Alexandrow zu tragen, und verlangte ihr Geheimnis zu wahren. Nadeschda Durowa legte vor dem Kaiser einen Eid darauf ab, dass sie sich bis an ihr Lebensende für einen Mann ausgeben würde, und sie blieb ihrem Wort treu.

Mit Befehl des Kaisers Alexander I wurde Nadeschda Durowa zum Kornett im Mariupoler Husarenregiment ernannt. Im Buch «Die Liste der in den Jahren 1806-1807 mit dem höchsten militärischen Orden Ausgezeichneten» steht Kornett Alexandrow unter der ersten Nummer. In der Rubrik «Für welche Handlungen ausgezeichnet» steht beim Namen Alexandrow: «Am 13 Februar 1807 für die hervorragenden Leistungen bei der Verfolgung des Feindes bis zum Fluss Passarge während der Schlacht bei Gutstadt, Heilsberg und Friedland».

Von 1808 bis 1811 Jahre diente N.A. Durowa als Kornett des Mariupoler Husarenregiments. Das war ein Prestigeregiment der russischen Armee, wo wohlhabende Adelige dienten. In diesen Jahren stand Nadeschda Durowa unter der Schirmherrschaft des Kaisers Alexander.

Im Archiv sind die Briefe des Kornetts Alexandrow aus dem Mariupoler Husarenregiment an die Militärkanzlei erhalten, Briefe mit der Bitte um Geldzuteilungen aus der Staatskasse für Uniformen, für die Abzahlung der Schulden, für Hilfe für den alten Vater, und um Gewährung eines Urlaubs in Familienangelegenheiten. Alle diese Bitten wurden vom Kaiser zur Kenntnis genommen und sie wurden erfüllt.

Im Jahr 1811 wurde Kornett Alexandrow in das Litauische Ulanenregiment als Unterleutnant versetzt. In den Reihen dieses Regiments beteiligte sich Nadeschda Durowa am Vaterländischen Krieg des Jahres 1812.

Napoleon Bonaparte wollte die ganze Welt erobern. Russland stand der Verwirklichung dieses Traums im Weg, und Napoleon hofft, Russland ebenso schnell zu unterwerfen wie Europa. Ungeachtet des bestehenden Friedensvertrags zwischen Russland und Frankreich, überschritten die Truppen Napoleons am 12. (24.) Juni 1812 die Memel und drangen damit in Russisches Statsgebiet ein. Damit hatte der Vaterländische Krieg des Jahres 1812 begonnen.

Nadeschda Durowa nahm auch an einer weiteren Schlacht, die für ganz Europa bedeutsam wurde, teil, an der Schlacht bei Borodino. Diese Schlacht sollte nicht nur für den Verlauf des Vaterländischen Kriegs von 1812, sondern auch für die Napoleonischen Kriege insgesamt einen Wendepunkt bedeuten.

In der Schlacht von Borodino verteidigte das Litauische Regiment die Semenow'schen Befestigungen. Während der Schlacht bekam Nadeschda Durowa in der Nähe des Dorfes Schеwardino eine Quetschung durch einen Kanonensplitter ab. Trotz des Schmerzes im Bein blieb sie im Gefecht und wurde zur Ordonnanz des Oberkommandierenden der russischen Armee, Feldmarschall Michail Kutusow, ernannt. Der Dienst eines Ordonnanz-Offiziers umfaßte die rasche Übermittlung von Befehlen, Berichtem und Anordnungen des Generalstabs an die Kommandeure der einzelnen Regimenter der Front; den ganzen Tag verbrachte ein solcher Offizier im Sattel.

N.A. Durowa beschreibt diesen Tage so:

«24 August. Im Morgengrauen donnerte dumpf die Signalkanone. Grollend ergoß sich ihr Klang über den ganzen Raum, den unsere Truppen eingenommen haben… Der Klang des Kanonenschusses war noch nicht ganz verhalt, als schon alles auf den Beinen war! In einer Viertelstunde kam alles in Bewegung, traf alles Vorbereitungen auf den Kampf! Die Franzosen rücken in dichten Kolonnen gegen uns vor. Das ganze Feld ist schwarz, von ihrer zahllosen Menge bedeckt.

26 August. Ein höllischer Tag! Ich bin fast taub von der wilden, unaufhörlicher Artillerie beider Seiten. Die Gewehrkugeln, die pfiffen, winselten und zischten und wie Hagel auf uns niederfielen, konnten niemandes Aufmerksamkeit erwecken; selbst diejenigen, die von ihnen verwundet wurden, hörten sie nicht: was gingen sie uns an!… Unsere Schwadron ging mehrmals zum Angriff vor…»

Die Schlacht von Borodino war ein sprechendes Beispiel des Patriotismus der russischen Soldaten. Die Helden von Borodino — das sind die gemeinen Soldaten und Bauern, die Teilnehmer am Partisanenkrieg, die Unteroffiziere und die Feldherren, die hervorragenden Generäle.

Die russische Armee unter dem Kommando von Michail Kutusow zerschlug die Armee Napoleons, welche der russischen Armee zahlenmäßig um ein Dreifaches überlegen war. Hier wurde Napoleons Vormarsch zum Stillstand gebracht, und der Mythos von der Unbesiegbarkeit seiner Armee wurde zerstört.

Napoleon selbst schriebt: «Von den 50 Schlachten, die ich geschlagen hatte, wurde in der Schlacht bei Moskau die größte Tapferkeit gezeigt und der geringste Erfolg erzielt».

Und Kutusow sagte: «Dieser Tag wird ein ewiges Denkmal des Mutes und der Tapferkeit der russischen Krieger sein, da Infanterie, Kavallerie und Artillerie mit dem Mut der Verzweifung kämpften. Es war der Wunsch eines jeden, an Ort und Stelle zu sterben und dem Feind nicht den Boden zu überlassen. Die französische Armee unter der Führung von Napoleon selbst, die zahlenmäßig überlegen war, konnte den hartnäckigen Trotz des russischen Soldaten nicht überwinden, der heldenmütig sein Leben für sein Vaterland hingegeben hat"».

Nach der Schlacht von Borodino bekommt N. Durowa Urlaub und fährt nach Sarapul.

Im Mai 1813 kehrt sie in die Armee zurück und dient weiter im Litauischen Ulanenregiment. Im Zug der Feldzüge der russischen Armee im Ausland ist sie an der Belagerung der Festung Modlin in Polen und der Befestigungen von Hamburg beteiligt.

Am März 1816 nahm N. Durowa (Alexander Alexandrow) ihren Abschied von der Armee im Rang eines Stabsrittmeisters. Den Bescheid über ihren Abschied bekam sie nicht sofort. Die Probleme mit der Ausstellung der Dokumente hingen mit dem Geheimnis um das Geschlecht des Antragstellers zusammen: «Es ist ein genauer Bericht zu erstellen mit dem Ansuchen um die Erlaubnis, ob das gewünschte Dokument ausgestellt werden kann, weil der Antragsteller kein Mann, sondern eine Frau ist, und diese vielleicht einen Mann hat».

Der Antrag des Stabsrittmeisters Alexandrow über die Austellung des Dokuments betreffend seine Entlassung aus dem Militärdienst wurde am 24. April 1817 entschieden: «Der Bescheid über den Abschied ist nicht einer Frau Alexandrowa, sondern dem Stabsrittmeister Alexandrow auszuhändigen».

Die Dokumente über ihren Abschied bekam Durowa im Jahr 1817, im Jahr 1824 wurde ihr eine Rente bestimmt: «Mit Allerhöchstem Bescheid vom 25 Januar 1824, wird Allergnädigst befohlen, dem Stabsrittmeister Alexandrow eine Rente von 1000 Rubel jährlich bis an sein Lebensende zuzuweisen».

Aufgrund der Kenntnis dieser und ähnlicher Dokumente besteht absolut kein Zweifel, dass es Durowa gelungen war, einen würdigen Platz unter den Männern nicht nur in der russischen Armee, sondern auch in der Gesellschaft einzunehmen.

So fand der zehnjährige Dienst N.A. Durowas in der russischen Armee ein Ende. Durowa ging in die Geschichte Russlands ein als die erste russische Frau, die Offizier war, die an der Schlacht von Borodino und den Feldzügen im Ausland teilgenommen hatte, die Ordonnanz von Kutusow und Träger des Georgskreuzes war.

 Nachdem sie mehrere Jahre in St.Petersburggelebt hatte, kehrte Nadeschda Durowa nach Sarapul zurück. Ihr Bruder Vasilij Andrejewitsch Durow war dort Stadthauptmanns. Als er im Jahr 1831 zum Stadthauptmanns von Jelabuga ernannt wurde, übersiedelte Nadeschda Durowa zusammen mit ihrem Bruder dorthin.

N.A. Durowa war in vollem Maße ein Mensch ihrer Zeit, der Napoleonischen Epoche. Diese Zeit brachte in den Ländern Europas einen neuen Geist und neuen Typ von Helden hervor. Heldentaten, militärischer Ruhm, grosse Schlachten — alles bewegte damals die Herzen und Gemüter. Auch die Frauen blieben den stürmischen Ereignissen dieser romantischen Zeit gegenüber nicht gleichgültig. Sie wollten es den grossen Helden gleich tun.

Deswegen beschloss nicht nur die Tochter des Stadthauptmanns von Sarapul, Durow, Männerkleidung zu tragen, männliche Tätigkeiten auszuüben und eine männliche Rolle zu spielen. In den europäischen Ländern gab es mehrere solche Beispiele.

Die Italienerin Francesca Scanagatta floh im Alter von 18 Jahren aus dem Pensionat beim katholischen Kloster der Heiligen Sophie, wo sie seit ihrem 12. Lebensjahr erzogen wurde. Mit ihrem entschlossenen Charakter, ihrer Liebe zu physischen Übungen, zum Reiten und Fechten war das Kloster kein Platz für sie. Aber ihr Vater hatte nicht erwartet, dass sie eine derart kühne Tat begehen würde. Er war mehr als überrascht, als er einen Brief des Kadetten Francesca Scanagatta aus der österreichischen Militärakademie in Wiener Neustadt erhielt. Francesca hatte Männerkleidung angelegt und die Prüfungen in diese Akademie gut bestanden.

Nach drei Jahren absolvierte Francesca die Akademie. Es wurde ihr der Rang eines Unterleutnants verliehen. Sie bekam die Einweisung zum Dienst, nahm an den Kämpfen gegen die französischen Truppen teil und wurde zum Leutnant befördert. 1801 jedoch wurde sie entlarvt. Das Kommando hatte erfahren, dass Leutnant Scanagatta eine Frau war. Doch wurde sie in Anerkennung ihrer Verdienste mit einer Offiziersrente aus der Armee entlassen.

Die Karriere eines Kavalleristen wählte auch Elselina-Johanna-Udlan, die 1778 in der Toskana geboren wurde. In einem Männeranzug trat sie als Soldat in das berittene Jägerregiment der französischen Armee ein, wo sie in den Jahren 1801-1807 an einigen Feldzügen teilnahm. Im Januar 1807 nahm sie an der berühmten Schlacht von Pultusk teil, wo sie durch ein Geschoss am Bein und einen Säbelhieb an der Hand verwundet wurde.

Im 1792 wurde in den Dienst in der französischen Armee im Rang eines Leutnants Maria Henrietta Heinikein aufgenommen, eine junge Frau aus der Berlin. Sie war in bürgerlichen Ehe mit dem Brigadegeneral Lautier-Ksantrai verheiratet. Sie stand ihrem Ehemann, der in der Rhein-Armee diente, als Adjutant zur Seite. Henrietta hat Uniform getragen, aber die nahe Umgebung des Generals wusste, dass sie eine Frau war.

Maria Henrietta zeichnete sich besonders im August 1793 aus. Sie schaffte es, wertvolle militärische Dokumente in den Armeestab zu liefern. Dabei ritt sie die ganze Nacht, musste den Fluss überqueren und schoss auf feindliche Dragoner, die sie verfolgten. Mit Ende 1793 hat Maria Henrietta den Dienst verlassen. Aber 1801 wurde sie im Rang eines Hauptmanns wieder aufgenommen. Als Offizier nahm sie an einer Parade in Paris in Anwesenheit Napoleons teil, dann wurde sie in geheimer Mission auf einem französischen Kriegsschiff nach Ägypten geschickt.

In 1812 tritt die 26-jährige Louise Manue aus Köln, die ihr Geschlecht verheimlichte, in das preußische Militär ein. Um ihr Geheimnis wussten Prinz Wilhelm von Preußen und seine Frau. Sie haben der jungen Frau, die ihren Ehemann verlassen hatte, ein Pferd geschenkt. Und sie haben ihr geholfen als Ulan in das Corps des Generals Blücher einzutreten. Louise nahm an den Schlachten bei Bautzen, Ganau und Metz teil, zusammen mit den allierten Truppen zog sie im März 1814 in Paris ein. In Schlachten wurde sie mehrmals verwundet. In der Schlacht bei Bell-Allianc 1815 verlor sie die rechte Hand. Sie beendete den Dienst im Rang eines Wachtmeisters, dekoriert mit Auszeichnungen: dem Eisernen Kreuz und der militärischen Medaille.

Unter diesen Amazonen gebürt der erste Platz unbestreitbar Nadeschda Durowa. Erstens, weil sie an drei Napoleonischen Kriegen — 1807 in Preußen, 1812 in Russland, 1813-1814 in Polen und Deutschland — teilgenommen hat. Zweitens, weil sie ohne Unterbrechung fast 10 Jahre lang in der Armee gedient hat, vom März 1807 bis März 1816. Drittens, weil sie alle Stufen der Rangordnung duchlaufen hat: vom Soldat («Genosse») im Frühjahr 1807 über den Unteroffizier im Herbst 1807, den Offiziers-Rang des Kornetts im Dezember desselben Jahres, den Leutnant im Juni 1812 bis zum Stabsrittmeister im März 1816, bei ihrem Abschied.


Literarische Tätigkeit

Während ihres Militärdiensts führte N.A. Durowa Tagebücher. Das ruhige Leben in der Provinzstadt Jelabuga trug zu den literarischen Aktivitäten bei, und Durowa griff wiederum zur Feder.

"…wollte ich verschiedene Abschnitte meiner Aufzeichnungen überprüfen und überlesen, die von verschiedenen Situationen meines nicht immer stillen Lebens geblieben waren. Diese Beschäftigung, die im Gedächtnis und in der Seele meine Vergangenheit zurückgerufen hatte, gab mir die Idee diese Abschnitte zu sammeln und etwas Gesamtes zu machen und zu drucken. Ich beschäftigte mich damit eifrig – schreibt Durowa, – in wenigen Monaten habe ich es beendet und nachdem ich mich brieflich mit Puschkin verabredet hatte, fuhr ich 1836 nach St.Petersburg".

In Petersburg machte Durowa bereits als talentierte Schriftstellerin von sich reden. Alexander Puschkin half ihr bei den ersten Schritten auf dem steinigen Weg in die Literatur. So stand der große Dichter Pate bei der Veröffentlichung der "Aufzeichnungen einer Kavalleristin".

1829, während Puschkin sich im Kaukasus aufhielt, machte er die Bekanntschaft von Wasilij Durow, dem Bruder Nadeschdas. 1835 erinnerte Wasilij Andrejewitsch den Dichter an diese "liebenswürdigen Bekanntschaft von früher" und schlug ihm vor, Herausgeber der Memoiren seiner Schwester zu werden.

Nachdem Puschkin im Frühjahr 1836 das Manuskript erhalten hatte, schrieb er an Durow: "Eben habe ich die abgeschriebenen "Aufzeichnungen" gelesen: reizend, lebendig, originell, der Stil – wunderbar. Der Erfolg ist sicher". Nadeschda Durowa sammelte ihre Manuskripte und fuhr nach St.Petersburg. Die Bekanntschaft mit Puschkin fand am 7. Juni 1836 statt. Anschließend beschreibt Durowa dieses Treffen: "Ich hatte eine kurze Mitteilung an Alexander Sergejewitsch geschrieben, in der ich ihm einfach mitteilte, dass ich in St.Petersburg sei, und wo ich wohnte. Am nächsten Tag, um halb Eins, hielt die Kutsche des berühmten Dichter am Hauseingang; ich wurde rot, stellte mir vor, wie er die Stufe um Stufe hinaufsteigt und sich wundert, daß keine Ende in Sicht ist!… Aber da ging die Tür auf… Alexander Sergejewitsch trat ein!… Dem ist nichts mehr hinzufügen!…"

Während der Unterhaltung äußerte sich der Herausgeber der Zeitschrift "Sowremennik" lobend über die Vorzüge der "Aufzeichnungen". Er versprach sich für eine eigene Buchausgabe einzusetzen. Es war schwer für Puschkin, dieses Gespräch zu führen, weil Durowa über sich selbst in der Form des maskulinen Geschlechts sprach. Und wenn Alexander Sergejewitsch eim Abschied die Hand der Dame küsste, wurde die Kavalleristin sehr verlegen: "O mein Gott! Daran bin ich schon längst nicht mehr gewöhnt!".

Während das Manuskript zur Ausgabe vorbereitet wurde, zeigte sich Puschkin als aufmerksamer Gastgeber. Durowa wurde zu den Puschkins auf die "Steininsel" eingeladen, um dort ihr Landhaus zu besuchen. Am 10. Juni 1836 holte Alexander Sergejewitsch Nadeschda ab und brachte sie zu sich nachhause. Sie wurde sehr herzlich aufgenommen. Der Hausherr war äußerst rücksichtsvoll.

Durowa hat Puschkin mehrmals getroffen.

Schließlich erschienen in der Zeitschrift "Sowremennik"/"Der Zeitgenosse" Auszüge aus den "Aufzeichnungen", die mit "Aufzeichnungen von Durowa, herausgegeben von Puschkin" betitelt waren. Im Vorwort nannte A.S. Puschkin den wahren Namen der Verfasserin der "Aufzeichnungen". So wurde das Geheimnis der Kavalleristin gelüftet.

Die vollständige Einzelausgabe der "Aufzeichnungen" erschien unter dem Titel "Die Kavalleristin. Ein Vorfall in Russland" im Jahr 1836 im Verlag von Durowas Vetter, Iwan Butowskoj. Das hatte die Verfasserin später sehr bedauert.

Die Beziehungen mit dem Dichter Puschkin wurden auch wegen des Misserfolgs der von Puschkin besorgten Ausgabe nicht abgebrochen. Kurz vor seinem Tod, im Dezember 1836, bekam Alexander Sergejewitsch den letzten Brief der Kavalleristin. In diesem Brief stellte Durowa den zweiten Teil ihrer "Aufzeichnungen" vor. Puschkin lebte noch, als der zweite Band erschien, er konnte aber nicht mehr darüber schreiben.

So fanden die "Puschkin'schen" Seiten in der Biographie N. Durowas ein Ende.

Durowa lebte bis 1841 in St.Petersburg. Ihre Werke erschienen in Einzelausgaben und wurden auch in den beliebtesten Zeitschriften jener Zeit gedruckt. Der Segen des größten Dichters eröffnet ihr den Weg in die große Literatur. Ihre Geschichten und Erzählungen wurden in 4 Bänden veröffentlicht, Durowa wurde in den Sammelband "Hundert russische Schriftsteller" aufgenommen. Berühmte Literaten und Kritiker, wie Puschkin, Belinskij, Krajewskij und Schukowskij rühmten N. Durowas literarisches Talent. Sie nahm einen verdienten Platz unter den Schriftstellern des 19. Jahrhunderts ein. Nachdem sie alles veröffentlicht hatte, was sie sich vorgenommen hatte, verließ sie St.Petersburg und kehrte nach Jelabuga zurück.


Leben in Jelabuga

"Im Jahr 1841 hatte ich Petersburg "Adieu auf immer" gesagt und seit dieser Zeit wohne ich in meiner Höhle – in Jelabuga…" – schrieb N.A. Durowa in ihrer "Autobiographie". Sie wählte unsere Stadt zum ständigen Aufenthaltsort, obwohl zu dieser Zeit niemand mehr von ihren Verwandten dort wohnte. Offensichtlich fühlte sie sich vom ruhig dahinfließenden, provinziellen und zugleich doch fortschrittlicheren Leben als in anderen Städten fern von der Hauptstadt, angezogen.

Jelabuga des 19. Jahrhunderts war das kulturelle Zentrum des Gouvernements Wjatka, eine Perle des kaufmännischen Städtebaus mit zahlreichen Institutionen, Kirchen und Kathedralen von außerordentlicher Schönheit und Größe. Hier lebten Kaufleute, die Millionäre waren. Mit ihrem Kapital brachten sie in die Stadt alles, was fortschrittlich war. Hier wurden literarische Lesungen veranstaltet, es gab auch ein eigenes Theater.

Doch der Stabsrittmeister in Ruhe vermied die lärmende Gesellschaft und bevorzugte eine zurückgezogene Lebensweise. In dem Haus, das Durowa in der Moskauer Strasse gekauft hatte, lebte sie bis zu ihrem letzten Tag.

Im Gedenkhaus befindet sich heute das einzige Museum für N.A. Durowa in Russland. Die Räume des Museums erzählen von ihrer ungewöhnlichen Kindheit, ihren Heldentaten im Krieg mit Napoleon, von der literarischen Tätigkeit und dem Leben in Jelabuga. Das Haus ist Zentrum eines Gutshofs mit Nebengebäuden: ein Schuppen für die Kutschen, ein Speicher, Scheune, Badehaus. Der gepflasterte Hof, die altertümlichen Laternen, die Gartenlaube und die Bänke schaffen eine einzigartige Atmosphäre im Geist des 19. Jahrhunderts. Und es scheint, dass die Gutsherrin selbst plötzlich auf dem Weg auftaucht, der durch die Anlage führt.

N.A. Durowa hat in Jelabuga mehr als 30 Jahre gelebt. Sie ist 1866 im Alter von 83 Jahren gestorben und wurde mit militärischen Ehrenbezeugungen auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof begraben.

Im Jahre 1901 errichteten die Soldaten (Dragoner) des Litauischen Regiments – die Nachkommen der Regimentsameraden von N.A. Durowa – ein Grabdenkmal aus grünem Granit.

In den 1930-er Jahren wurden Dreifaltigkeitskirche und Friedhof zerstört, das Territorium wurde teilweise verbaut. Doch haben die dankbaren Jelabuger Bürger den Begräbnisort der Heldin von Borodino im Gedächtnis behalten und auf Fotos festgehalten. Heute steht auf dem Grab von N.A. Durowa ein moderner Grabstein aus dem roten Granit. Der Schöpfer dieses Grabsteins ist der Moskauer Bildhauer Fedor Ljach.

Die Biographen von N.A. Durowa, N.A. Kutsche, N.N. Blinow und F.F. Laschmanow, haben bereits im 19. Jahrhundert Lebensbeschreibungen veröffentlicht.

Heute organisiert das Jelabuger Staatliche Museum für Geschichte, Architektur, Kunst und Natur verschiedene Veranstaltungen auf städtischer wie auch auf internationaler Ebene, um den Namen der russischen Heldin und ihres literarischen Werks bekannt zu machen. Neue Bücher werden veröffentlicht und ihre Werke werden nachgedruckt. Vorstellungen werden inszeniert, wissenschaftliche Konferenzen und militärhistorische Feste durchgeführt.

"Ich wurde ein Mann nicht aus Laune oder Verachtung des weiblichen Geschlechts, – schrieb N. Durowa in ihrer "Autobiographie", – die russische Gesellschaft braucht eine aktive, tätige Frau, und das hängt in vieler Hinsicht von der Frau ab".

 

Wichtigste Daten aus dem Lebens und der Tätigkeit von N.A.Durowa

1783  September – Geburt von N.A. Durowa in der Ukraine in der Nähe der Stadt Cherson.

1801  Oktober – Trauung mit dem Beamten der 14. Klasse W.S. Tschernow in der Vosnesenskij Kathedrale (Himmelfahrtskirche) in Sarapul.

1803  Januar – Taufe des Tschernow-Sohns Iwan in der Vosnesenskij Kathedrale (Himmelfahrtskirche) in Sarapul.

1806  September – Flucht von N.A. Durowa aus dem Elternhaus in Sarapul.

1807  März – Eintritt in das polnischen Kavallerieregiment unter dem Namen Alexander Sokolow.

Mai – Beteiligung an der Schlacht bei Gutstadt.

September – Alexander I. erfährt aus einem Gesuch von Durowas Onkel, dass in den Truppen unter dem Namen Sokolow eine Frau dient – N.A. Durowa (nach ihrem Ehemann Tschernowa).

November – der General der Infanterie, Graf Buckshövden, schickt Sokolow zum Kaiser nach St.Petersburg.

Dezember – zwei Treffen N.A .Durowas mit dem Kaiser.

1808  Februar – Ankunft in Mariupoler Husarenregiment unter dem Namen Alexandrow.

1810  Mai-Juni – der Dienst als Ordonnanz beim Kiewer General-Gouverneur M.A. Miloradowitsch.

1811  April – Überstellung ins Litauische Ulanenregiment.

1812  Juni – Ernennung zu Leutnant.

Juni – Beteiligung an der Schlacht bei dem Ort Mir.

Juli – Teilnahme an der Schlachten bei Romanovo und Daschkovka.

August – Teilnahme an den Schlachten bei Smolensk, Schewardino und Borodino. Verwundung in der Schlacht bei Schewardino.

September – Dienst als Ordonnanz von M.I. Kutuzow. Zum Auskurieren nach Sarapul geschickt.

1813  Mai – Rückkehr in die Armee.

Juni-Juli – kommandiert das Pferdedepot bei der Stadt Laischino.

August-Oktober – Teilnahme an der Belagerung der Festung Modlin in Polen.

1814  Januar-Mai – Teilnahme an der Belagerung von Hamburg in Deutschland.

November-Dezember – Rückkehr mit dem Litauischen Ulanenregiment nach Russland.

1816  März – Abschied von der Armee im Rang eines Stabsrittmeisters mit dem Recht des Tragens der Uniform.

1817-1820 – Leben in St.Petersburg.

1821 – Rückkehr nach Sarapul.

1824  Januar – Festsetzung einer Rente von 1000 Rubel jährlich für den Dienst beim Militär.

1831 – Übersiedlung nach Jelabuga mit dem Bruder Wasilij.

1836  Mai – Reise nach Petersburg und Treffen mit A.S. Puschkin.

Juli – der zweite Nummer der Zeitschrift "Zeitgenosse" erscheint mit den "Aufzeichnungen einer Kavalleristin".

November – das Buch "Eine Kavalleristin. Ein Vorfall in Russland" wird veröffentlicht.

1838-1840 – Veröffentlichung aller Werke.

1841  Sommer – Rückkehr nach Jelabuga.

1866  März – Tod von N.A. Durowa im 83. Lebensjahr.


Die Werke von N.A.Durowa

  1.  Eine Kavalleristin. Ein Vorfall in Russland. – St.Petersburg, 1836.

  2.  Die Aufzeichnungen von Alexandrow (Durowa). Beilage zur "Kavalleristin".
– St.Petersburg, 1836.

  3.  Nurmeka. Ein Vorfall zur Zeit der Regierung Iwans d. Schrecklichen nach
der Eroberung von Kazan – St.Petersburg, 1839. - Novelle

  4.  Schwefelquelle. – St.Petersburg, 1839. – In der Sammlung
"Hundert russischen Schriftsteller", T.1. - Novella.

  5.  Pavillon. – Vaterländische Aufzeichnungen, 1839, №2.

  6.  Das Schicksalsspiel, oder gesetzeswidrige Liebe. – Erzählung.

  7.  Der Schatz. – St.Petersburg, 1840.

  8.  Ein Jahr des Lebens in Petersburg, oder der Nachteil des dritten Besuchs.

  9.  Die Ecke. – St.Petersburg, 1840. – Novelle.

10.  Gudischki. – St.Petersburg, 1839. – Roman.

11.  Graf Mawrizkij. – Erzählung.

12.  Autobiographie.

13.  Jartschuk – der Hund, der Geister sehen kann. – St.Petersburg 1840. – Novelle.

14.  Zwei Wörter aus dem Alltagsleben: 1. Der Ball. 2. Erinnerungen. – Erzählungen.


в начало


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